Wenn die Lüftung auch heizt
Zwei Neubauten zeigen, wie Architektur und Haustechnik zusammenwirken.

Wer ein Haus plant, denkt zunächst an Räume, Fenster und Materialien. Die Heizung erscheint oft als eine technische Ausstattung, die später dazukommt. Dabei hängen diese Entscheidungen eng zusammen: Wie viel Wärme ein Gebäude benötigt und wie sie in die Räume gelangt, wird bereits durch die Planung beeinflusst.
Bei den beiden Neubauten GB11 und AH8 verbindet das Energiekonzept eine gut gedämmte Gebäudehülle mit kontrollierter Lüftung, Wärmerückgewinnung und einer Luft-Luft-Wärmepumpe. Die Häuser sind auf der Projektseite als Effizienzhaus 40 beziehungsweise Effizienzhaus 40 Plus vorgestellt.
Frische Luft und Wärme über ein gemeinsames System
Die vorgesehene PROXON-Technik von Zimmermann führt verbrauchte Luft aus dem Haus und versorgt die Räume mit frischer Außenluft. Ein Wärmetauscher überträgt dabei Wärme von der Abluft auf die einströmende Luft. So bleibt ein Teil der Wärme erhalten, die beim Lüften sonst nach draußen gelangen würde.
Die Luft-Luft-Wärmepumpe erwärmt die Zuluft zusätzlich. Über ein Leitungssystem gelangt sie in die einzelnen Räume. Raumthermostate und Wärmeelemente an den Luftauslässen ermöglichen eine Anpassung an den jeweiligen Wärmebedarf.
Die Voraussetzung dafür ist ein Gebäude mit geringen Wärmeverlusten. Dämmung, Fenster, Luftdichtheit und Haustechnik müssen deshalb zusammenpassen.
Warmwasser hat eine eigene Aufgabe
Für das Trinkwarmwasser sehen die Projektunterlagen eine separate Brauchwasserwärmepumpe mit einem 300-Liter-Speicher vor. Die Versorgung von Dusche und Küche wird damit innerhalb des Gesamtkonzepts eigenständig gelöst.
Auch ergänzende elektrische Wärmeelemente und Badheizkörper gehören zur Betrachtung. Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Komponenten – einschließlich ihrer Regelung und der späteren Nutzung.
Was hat das mit Architektur zu tun?
Die Technik braucht Platz. Das Zentralgerät muss zugänglich bleiben, Luftleitungen benötigen geeignete Wege und die Außenluftöffnungen müssen in die Fassadenplanung passen.
Solche Fragen wirken bis in den Grundriss hinein: Wo liegt der Hauswirtschaftsraum? Wie lassen sich Leitungen führen? Wo stehen Waschmaschine und Trockner, ohne Wartungsflächen zu blockieren?
Bei diesen Projekten wurden die Anforderungen bereits während der Planung miteinander abgestimmt. Architektur und Haustechnik treffen sich damit an ganz konkreten Stellen des Hauses.
Zwei Häuser mit eigenen Anforderungen
Das gemeinsame technische Prinzip führt nicht automatisch zu identischer Ausstattung. Die Unterlagen unterscheiden sich beispielsweise bei der Regelung. Für AH8 sind zusätzlich eine CO₂-Regelung, eine Zonenregelung und eine gesonderte Kaltluftführung zum Schlafzimmer beschrieben.
Auch Photovoltaik und Batteriespeicher müssen für jedes Haus einzeln betrachtet werden. Eine Solaranlage kann die Stromversorgung ergänzen. Welchen Beitrag sie im Alltag leistet, hängt von ihrer Größe, einem möglichen Speicher und dem Zeitpunkt des Verbrauchs ab.
Vom Grundriss bis zum technischen Detail
Mein Auftrag umfasste bei beiden Neubauten den Entwurf und die Genehmigungsplanung, die Ausführungsplanung der Bodenplatten sowie die Bauleitung. Hinzu kamen die Entwässerungsplanung und Küchenentwürfe im Zusammenhang mit Grundriss und Fenstern.
Darin liegt für mich die Aufgabe einer zusammenhängenden Planung: Räume, Konstruktion, Ausstattung und Technik so aufeinander abzustimmen, dass daraus ein Haus für seine Bewohner entsteht.


